Kanonenbohrer

Der Kanonenbohrer, auch als Einlippenbohrer oder Tieflochbohrer bekannt, ist ein Spezialwerkzeug für die Herstellung tiefer, präziser Bohrungen mit engem Toleranzbereich. Er wird vor allem in der industriellen Fertigung eingesetzt, wo konventionelle Spiralbohrer an ihre Grenzen stoßen. Sein Name leitet sich von seiner historischen Verwendung beim Bohren von Kanonenläufen ab.

Wie funktioniert ein Kanonenbohrer?

Der Kanonenbohrer arbeitet nach einem einfachen, aber effektiven Prinzip. Er besitzt nur eine Schneide und eine halbmondförmige Querschnittsgeometrie, die ihm seine charakteristische Form verleiht. Durch eine innenliegende Kühlmittelbohrung wird Kühlschmierstoff direkt an die Schneidzone geleitet, was die Wärmeentwicklung reduziert und die Späne zuverlässig aus dem Bohrloch spült. Dieses sogenannte Tiefbohren ermöglicht Bohrungstiefen von bis zu 100-mal dem Bohrerdurchmesser, bei gleichzeitig hoher Maß- und Oberflächengenauigkeit. Das Werkzeug führt sich dabei durch die entstehende Bohrkraft selbst in der Bohrung, was eine hervorragende Geradlinigkeit des Bohrkanals sicherstellt.

Typen und Bauformen

Kanonenbohrer sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich, die sich je nach Anwendungsfall unterscheiden:

  • Vollhartmetall-Kanonenbohrer: Besonders verschleißfest und geeignet für harte Werkstoffe wie gehärtete Stähle oder Gusseisen.
  • Kanonenbohrer mit Wendeschneidplatten: Wirtschaftliche Lösung für größere Durchmesser, da nur die Platten getauscht werden müssen.
  • HSS-Kanonenbohrer: Günstiger in der Anschaffung, geeignet für weichere Materialien und kleinere Stückzahlen.
  • Beschichtete Varianten: Mit TiN-, TiAlN- oder DLC-Beschichtung für erhöhte Standzeiten und bessere Gleiteigenschaften.

Die Durchmesser reichen typischerweise von 0,5 mm bis über 30 mm, wobei für sehr große Durchmesser oft spezielle Tieflochbohrverfahren wie das BTA-Verfahren eingesetzt werden.

Einsatzbereiche

Kanonenbohrer finden sich in zahlreichen industriellen Branchen:

  • Automobilindustrie: Herstellung von Nockenwellen, Kurbelwellen und hydraulischen Komponenten
  • Medizintechnik: Präzisionsbohrungen in chirurgischen Instrumenten und Implantaten
  • Formenbau: Kühlkanäle in Spritzgießwerkzeugen
  • Luft- und Raumfahrt: Bohrungen in Triebwerkskomponenten aus Titan oder Superlegierungen
  • Öl- und Gasindustrie: Bearbeitung von Ventilgehäusen und Steuerblöcken

Worauf du beim Kauf achten solltest

Beim Kauf eines Kanonenbohrers solltest du folgende Kriterien berücksichtigen:

  • Werkstoff: Wähle das Bohrermaterial passend zum zu bearbeitenden Werkstoff – Vollhartmetall für harte Materialien, HSS für weichere.
  • Durchmesser und Länge: Achte darauf, dass das Verhältnis von Bohrtiefe zu Durchmesser zum gewünschten Einsatz passt.
  • Kühlmittelversorgung: Kanonenbohrer benötigen zwingend eine innere Kühlmittelzufuhr – prüfe, ob deine Maschine das unterstützt.
  • Beschichtung: Eine hochwertige Beschichtung verlängert die Standzeit deutlich und lohnt sich bei häufigem Einsatz.
  • Hersteller und Qualität: Namhafte Hersteller wie Botek, Gühring oder Walter bieten zuverlässige Qualität und technischen Support.

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